Fujifilm Sericol, Distributor
Fujifilm-Sericol
Der Produktmanager ist für den weltweiten Wareneinkauf von Fujifilm Sericol im Grafikbereich verantwortlich und vertreibt die entsprechenden Produkte unter der Marke Euromedia. Eine Position, die attraktive Kooperationen mit den Herstellern erlaubt und gleichzeitig ein vollständiges Panorama der Gesamtindustrie bietet. »Es hat Vorteile, nicht selbst Produzent zu sein«, erklärt Kurdu. »Als Distributor bin ich näher am Puls des Marktes und verstehe dadurch noch besser, was Druckunternehmen benötigen. Wir bewerten Produkte dahingehend, ob sie die Anwendungsmöglichkeiten unserer Kunden bereichern. Wenn wir Lösungen für neue Anwendungen suchen, können wir bei allen Herstellern der Welt ›die Rosinen herauspicken‹ und ideale Kombinationen aus Bedruckmedien, Tinten und Druckanlagen zusammenstellen.« Ein Beispiel: Wondertack – eines der faszinierendsten Produkte, die 2009 auf der Viscom präsentiert wurden. Die selbstklebende Polypropylen-Folie haftet dank Saugnapftechnik ganz ohne Klebstoff sicher auf allen glatten, ebenen Flächen, lässt sich rückstandslos wieder entfernen und beliebig oft wieder verwenden. Die dimensionsstabile Folie kann auch von unerfahrenen Mitarbeitern blasenfrei verklebt und jederzeit repositioniert werden, was Kosten bei wiederkehrenden P.o.S.-Kampagnen einspart. »Wir wussten, dass unsere Kunden nach einem Matrial suchten, das ohne die aufwendige Reinigung zuvor verklebter Oberflächen immer wieder neu auftragbar und repositionierbar ist. Die Folie eignet sich ideal dafür«, bestätigt Kurdu.
Ohne Fleiß keine Innovationen
Kurdu und sein Team investieren 80 Prozent ihrer Zeit, um neue Produkte zu suchen und zu testen. »Viele Distributoren bemühen sich hauptsächlich darum, Preise zu drücken«, meint er. »Unser Fokus liegt eher im Bereich Innovation, Applikation und intelligente Lösungen. »Kurdu sieht sich jedoch keineswegs als reinen Technikexperten: »Ich verfüge zwar über gute allgemeine technische Kenntnisse, aber nicht so tiefe wie ein Hersteller. Mein Job ist schließlich, unseren Kunden beim Auf- und Ausbau ihres Geschäfts zu helfen. Können sie nicht expandieren, können wir das auch nicht. Um unsere Kunden zu unterstützen, sehen wir uns den kompletten Workflow an, anstatt uns auf einzelne Komponenten zu begrenzen. Und ganz nebenbei machen wir uns ein gutes Bild davon, was im Markt so läuft.« Im Sortiment von Euromedia spiegelt sich das letztendlich so: Anwender finden eine breite und vollständige Angebotspalette. Sie erstreckt sich von Basis-Standardprodukten für Volumenjobs bis hin zu Medien mit cleverem Zusatznutzen, viele davon exklusiv im Sortiment.
Am Puls des Marktes
Neben engen Kontakten zu Herstellern und zur Druckindustrie hat Kurdu ein wachsames Auge auf allgemeine Trends und Entwicklungen. In der jüngeren Vergangenheit dominierten PVC-Produkte und die Lösemitteltechnologie den Markt. Diese haben aus Umweltschutzgründen inzwischen jedoch an Popularität eingebüßt. Polypropylene haben sich rasch zum bevorzugten Bedruckmedium gemausert, ebenso wie UV-Farben und -Tinten, die heute für eine breite Palette an Anwendungen eingesetzt werden, darunter vor allem auch auf den immer häufiger zur Bannerherstellung verwendeten Textilgeweben. Einer der neu entstehenden Grafikdruckbereiche wird, so sagt Kurdu voraus, der Bereich Innenarchitektur und Wohn- sowie Raumdesign sein. Architekten und Innendesigner beraten nicht mehr nur gewerbliche Klienten; neuerdings verlangt auch die Privatkundschaft immer stärker nach individuellen Lösungen für Wohn- und Nutzflächen. Hier sieht Kurdu große Chancen für jene Dienstleister, die solche Markttrends früh erkennen und nutzen. »Ähnlich wie reine Siebdruckunternehmen sich in Richtung Inkjet-Technologie erfolgreich geöffnet haben, sind Werbetechniker und Druckdienstleister heute verstärkt gefordert, sich den rapiden Marktveränderungen entsprechend zu entwickeln«, ist er überzeugt und präzisiert: »Das bedeutet nicht nur an den lukrativsten Geschäftsbereichen festzuhalten, sondern auch aktiv neue Anwendungen zu suchen, neue Techniken einzusetzen und weitere Geschäftsmöglichkeiten zu erkunden – wie zum Beispiel, dass man als Unternehmen auch den Endverbraucher direkt ansprechen kann.«
Zwischen Markt und Machern
»Mit neuen Produkten kann man in der Regel einen Innovationsvorsprung von bis zu einem Jahr nutzen, bis seine Produkte dann von anderen kopiert werden«, schätzt Kurdu. Wie ein guter Koch lässt auch er sich nicht ins Rezeptbuch sehen. »Vielleicht einfach so viel: Die Vorstellung einer Innovation auf einer Fachmesse erzeugt bei aller Routine jedes Mal aufs Neue ein gewisses Kribbeln. Im vergangenen Jahr stellten wir auf der Viscom unser Erlebniswelt-Konzept vor; damals konnten Besucher die Bedruckmedien ansehen, befühlen und damit experimentieren, was uns über 600 neue Kontakte und Projektanfragen einbrachte. Das nächste Jahr soll noch besser werden!« Murat Kurdu gibt sich bescheiden, wenn er über seine engen Kontakte zu Herstellern in der ganzen Welt erzählt. Seine Visitenkarte zeigt auf der einen Seite das »Euromedia«-Logo, auf der anderen Seite nur die »Fujifilm«-Firmenaufschrift. Ruf und Vertriebsstärke dieses Namens allein, so meint er, bringen Hersteller in der ganzen Welt dazu, seinem Unternehmen neueste Entwicklungen und Produktpläne vorzustellen und im gemeinsamen »Brainstorming« nach Ideen für neue Produkte zu suchen. Verdient hat sich Kurdu seinen Ruf aber nicht nur im Vertrieb – er lässt nicht locker, wenn es darum geht, schwierige Druckprobleme zu lösen. So kommt es immer wieder vor, dass Kunden ihn um Hilfestellung bitten, wenn es gilt, diffizile Druckanwendungen erfolgreich zu meistern.
