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Serie Digitaldruck und Umweltschutz, Teil 1

Das »grüne« PVC

Ferrari Stamoid baut mit Texyloop das erste Sammel- und Recyclingsystem für PVC-Planen auf – Bannermaterial aller europäischen Hersteller kann wiederverwertet werden.

PVC gleich »böse«, diese Gleichung hat sich inzwischen in vielen Köpfen festgesetzt, und in Deutschland beispielsweise dazu geführt, dass Polyvinylchlorid fast vollständig aus Verpackungen verschwunden ist. In der Digitaldruck-branche werden jedoch für viele Zwecke PVC-Medien verwendet – vor allem als Banner, Lkw-Planen und Selbstklebefolien. Diese Verbundwerkstoffe aus PVC und anderen Materialien zur Wiederverwertung oder zum Recycling zu sammeln, hat sich der Digitaldruck-Medien-Anbieter Ferrari Stamoid zur Aufgabe gemacht. Doch es geht nicht nur um die Rücknahme eigenen Materials: Mitglieder des »Texyloop«-Sammelsystems können Lkw-Planen und PVC-Banner mit inliegendem Polyestergewebe aller europäischen Hersteller entsorgen.

Streng nach REACH

»Die Beschränkung auf europäische Ware war notwendig, damit gesichert ist, dass die angelieferten Abfälle das seit Mitte des Jahres gültige Reach-System zum sicheren Umgang mit den Stoffen entlang der gesamten Wertschöpfungskette entsprechen«, so Romain Ferrari, Mitglied der Geschäftsführung bei Ferrari Stamoid und Initiator des Texyloop-Systems. Die Folienabschnitte müssen zur Verwertung in Ballen von 300 bis 400 Kilogramm verpackt, zuvor jedoch in drei Kategorien getrennt werden: weißes und bedrucktes, flammhemmendes Material sowie nicht brandschutzbehandelte Abschnitte.

»Wer dem Texyloop-Netzwerk beitritt, erhält einen Code, ohne den keine Anlieferung möglich ist«, erläutert Sign Product Manager Pierre Martinez. »So können wir sicherstellen, dass jede Charge zurückverfolgt und eventuellen Verunreinigungen auf den Grund gegangen werden kann.« Für Texyloop-Sammelstellen ist die Rücknahme ihres Materials kostenlos, rund 30 gibt es derzeit in Mittel- und Südeuropa. »In manchen Regionen ist das Netz allerdings noch dünn«, bedauert Ferrari.

Zum Recycling nach Ferrara

Die Anlage zur Wiederverwertung der gesammelten Abfälle – derzeit hat man bei Ferrari Stamoid bereits rund 1.000 Tonnen auf Lager – steht im italienischen Ferrara. »Die Namensgleichheit ist allerdings Zufall«, schmunzelt Romain Ferrari. Die Standortwahl jedoch nicht: Grundlage des Texyloop-Verfahrens ist die von der Solvay Gruppe zum Recycling von Kabelresten entwickelte Vinyloop-Technik. Dabei entsteht Granulat, das wieder in der PVC-Herstellung eingesetzt werden kann. »Leider lässt sich der Rohstoff noch nicht für alle Produkte einsetzen, die wir herstellen«, erklärt Martinez, »doch wir arbeiten massiv daran, den Prozentsatz zu steigern.« Die Chancen stehen gut: Das 1973 gegründete Unternehmen erwirtschaftet nämlich nur rund 20 Prozent seines Umsatzes mit Sign-Produkten für den Digitaldruck, der Rest entfällt auf die Spezialgewebe unter anderem für textile Fassaden und seewasserfeste Abdeckungen, aber auch Sonnenschutz. Derzeit verfügt die Gruppe neben dem Hauptquartier in La Tour du Pin nahe Lyon über drei weitere Standorte im schweizerischen Eglisau, in Shanghai sowie in Fort Lauderdale in Texas. Rund 500 Mitarbeiter werden in diesem Jahr einen Umsatz von 150 Millionen Euro erwirtschaften. »Texyloop ist ein Herzensanliegen«, beteuert Romain Ferrari, aber auch ein bedeutendes strategisches Investment, an dem bereits seit 1997 gearbeitet wird. »Die bald in Ferrara voll einsatzfähige Anlage ist bereits die dritte, die wir aufbauen – wir mussten uns bei der Entwicklung auf Industriegröße vorarbeiten«, so der Geschäftsführer. »Denn es wird nicht nur das PVC, sondern auch das Polyester zurückgewonnen. Unsere Produkte sind also zu 100 Prozent recycelbar.« Die aufgearbeiteten Rohstoffe, sofern nicht von Ferrari Stamoid selbst zu verarbeiten, sind auf dem Weltmarkt verkaufsfähig und helfen so, Ressourcen zu schonen.

PVC wird umweltfreundlich

Noch ist der Prozess freilich nicht kostendeckend. Das soll sich allerdings ändern, wenn die Anlage voll angefahren ist, steigende Rohstoffkosten auf den Weltmärkten können ein Übriges tun. »PVC ist allen Kampagnen zum Trotz ein extrem vielseitiger und haltbarer Werkstoff, so Martinez. »Wer PVC gänzlich abschaffen will, muss sich fragen lassen, wie er künftig seine Zähne reinigen will, denn praktisch alle Zahnbürsten sind aus PVC. Für Ferrari Stamoid ist PVC unverzichtbar – und es gibt nun auch keinen Grund mehr, darauf zu verzichten: Unsere Produkte können sauber und in einem geschlossenen Verarbeitungskreislauf zu 100 Prozent recycelt werden.« Sollte das Beispiel Schule machen, wird das problematische Verbrennen von PVC-Abfällen oder das Vergraben auf Mülldeponien bald der Vergangenheit angehören. Die Umweltbilanz von PVC verbessert sich durch Recycling immens, der Stoff überholt dank einer verhältnismäßig einfachen und vergleichsweise energieeffizienten Herstellung damit sogar viele derzeit als PVC-Alternativen gehandelte Materialien. Doch warum immer gleich alles entsorgen?

Das zweite Leben der Drucke

Ferrari Stamoid arbeitet mit Reversible zusammen, einem Unternehmen, das ähnlich wie der schweizerische Mitbewerber Freitag aus alten Lkw-Planen und Großdrucken auf PVC-beschichteten Medien schicke Taschen näht. »Hier sind Sonder-
editionen denkbar, etwa für Konsumgüterhersteller oder Ausstellungen«, freut sich Romain Ferrari. Doch er hat noch weitere Ideen: Mit Expolit 456 hat sein Unternehmen bereits ein Material im Programm, das über eine matte und eine glänzende Seite verfügt – und beide lassen sich bedrucken, so dass Dienstleister weniger Rollen auf Lager halten müssen. »Wie wäre es«, fabuliert er, »ein Material zu erfinden, das sich mehrmals bedrucken lässt?« Doch das ist ferne Zukunftsmusik. In nächster Zeit, so prophezeit er, wird sich erst einmal die Wahrnehmung von PVC im öffentlichen Bewusstsein ändern. Erste Ansätze gibt es bereits. Decathlon, eine französische Kette von Sporthäusern, hat sich bereits vor einigen Jahren zum verantwortungsvollen Umgang mit PVC verpflichtet. »Dank des Texyloop-Verfahrens konnte ein Kunde von uns jedoch den Etat für das europaweite P.o.S-Material gewinnen«, freut sich Martinez – »und zwar mit PVC-Bannern. Die Recycling-Option ist ein echter Marktvorteil für die Verwender unserer Medien.«

www.ferrarisign.com

www.texyloop.com

 

 

   
   
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