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LFP-Grundlagen: Farbmanagement für digitale Sublimationsdrucke

Hand hoch, wenn Sie schon einmal ein Bild nach dem Sublimationsdruckverfahren auf ein Substrat übertragen haben und alle Farben falsch waren. Die Rottöne waren etwas heller oder dunkler, als Sie erwartet hatten. Die Grüntöne stimmten nicht mit den Farben des Logos Ihres Kunden überein. Oder das Orange auf Ihren Shirts und iPhone-Hüllen sah nicht identisch aus, obwohl Sie beide Artikel mit dem gleichen Farbmuster in Ihrem Grafikprogramm gedruckt haben. 

Testformen auf Textil

Beim Sublimationsdruck gelten im Farbmanagement andere Vorrausetzungen als auf Papier. Foto: Sawgrass.

Wir alle kennen diese Herausforderungen nur allzu gut. Damit muss man rechnen, wenn man in der Digitaldruckbranche arbeitet, in der Farben und Effizienz das A und O sind. Bei Farbabweichungen wird die Effizienz aufgrund des zusätzlichen Zeit- und Materialaufwands, der für die Prüfung der einzelnen Farbunterschiede notwendig ist, enorm verringert. Und da gute Sub­limationsdruckdienstleister an der Qualität ihrer Bilder und Farben gemessen werden, muss jeder, der Sublimationsdruckerzeugnisse herstellt, ein Grundverständnis für das Farbmanagement haben.

Gängige Probleme beim Sublimationsdruck

Beim Farbmanagement im Digitaldruck kann eine Vielzahl von Problemen auftreten. Ein Problem hat mit den Eigenschaften von Digitalsystemen zu tun. Designs werden auf dem beleuchtenden Bildschirm eines Computers erstellt oder bearbeitet. Der Monitor verwendet elektrische Energie zur Erzeugung von Bildern in einem Format, das auf der Kombination der drei Grundfarben Rot, Grün und Blau (RGB) zu jeweils unterschiedlichen Anteilen basiert. Wenn alle drei Farben zu gleichen Anteilen auf dem Monitor kombiniert werden, entsteht Weiß. 

Drucker arbeiten anders und verwenden Cyan, Magenta und Gelb (CMY) zum Erzeugen von Farben. Bei Kombi­nation dieser Farben zu gleichen Anteilen entsteht Schwarz. Da es kostspieliger ist, diese drei Farben zur Er­zeugung von Schwarz zu ver­wenden, haben die meisten Drucker eine vierte Farbe. Dieses tiefe Schwarz komplettiert ein CMYK-System. 

Für die Druckausgabe müssen RGB-Farben in CMYK-Farben umgewandelt werden. Allerdings unterscheiden sich das CMYK-Format und der zugehörige Farbraum vom RGB-Format. Denn der RGB-Farbraum eines Monitors ist größer als der CMYK-Farbraum eines Druckers. Daher gibt es bei der Umwandlung keine echte Übereinstimmung zwischen den einzelnen RGB- und CYMK-Farben. 

Obwohl die Umwandlung von RGB in CMYK einige Probleme verursachen kann, gibt es noch weitere Faktoren, die sich auf Ihre Farben auswirken. Die Farbwahrnehmung hängt stark von der Beleuchtung, dem Substrat, der Oberflächenbeschaffenheit und sogar von der Fähigkeit des Gehirns ab, Farben zu verarbeiten. Man denke nur daran, wie Farben beim Drucken auf weiche oder matte Oberflächen scheinbar gedeckt bzw. beim Drucken auf harte oder glänzende Oberflächen viel kräftiger wirken. 

Beim Sublimationsdruck kommen auch Umgebungsfaktoren wie Timing, Temperatur, Druck und Atmosphäre ins Spiel. Zu hohe oder niedrige Temperaturen und zu hoher oder niedriger Druck haben einen Einfluss darauf, wie stark der Farbstoff vom Transferpapier auf das Substrat übertragen wird. Durch zu starkes Andrücken kann das Substrat oder Papier vergilben oder braun werden. Selbst ein Wechsel Ihres Transferpapier-Fabrikats kann sich auf Ihre Farbqualität auswirken. 

Alles über Inkjet-Tinten für den Sublimationsdruck

Man kann nicht über Farbmanagement sprechen, ohne über Tinten zu sprechen. Zur Erzeugung der richtigen Farben für einen Job müssen Sie die richtige Tinte für das von Ihnen verwendete Substrat und das richtige Gerät zum Auftragen der Tinte verwenden. So haben Pigmenttinten und farbstoffbasierte Tinten beispielsweise unterschiedliche Eigenschaften und lassen sich nicht untereinander austauschen. Der Sublimationsdruck mit Pigmenttinten ist nicht möglich. 

Die Qualität der Tinte bestimmt, wie gut das fertige Produkt aussieht. Tinten von Markenherstellern sorgen für den größten Farbraum und tiefe Schwarztöne, sind ergiebiger und niedriger im Verbrauch als preiswerte Tinten, die oft im Internet angeboten werden. 

Es kommt auch darauf an, wie Tinten gelagert und auf das Substrat zugeführt werden. Sublimations­drucker arbeiten mit einem offenem oder einem geschlossenen Tintenzufuhrsystem. Geschlossene Systeme mit Einwegpatronen sind in puncto Kosten und Produktivität am effizientesten. Vorgefüllte Patronen sorgen dafür, dass die Tinte frei von Verunreinigungen und Luftblasen ist. Geschlossene Systeme unterstützen auch Nachfüllsysteme mit vorgefüllten Tintenbeuteln, die sich einfach einsetzen lassen. Sie bieten eine größere Tintenmenge als Patronen und gleichzeitig auch die gleiche konstante Druckqualität. 

Offene Systeme arbeiten mit nachfüllbaren Tintenkanälen, die das Risiko der Oxidation in der Tinte oder des Eindringens von Verunreinigungen erhöhen, was wiederum zu einer Verringerung der Farbqualität und sogar zur Beschädigung der Druckköpfe beitragen kann. Diese Systeme können für Großformatdruckereien mit Aufträgen in hohen Auflagen sinnvoll sein, sind jedoch nicht für Sublimationsdruckereien mit hauptsächlich kleinformatigen Aufträgen geeignet. 

Farbmanagement-Software für den digitalen Sublimationsdruck

Da Sie nun mehr über die externen Faktoren wissen, die sich auf Farben auswirken, ist es jetzt an der Zeit, über die Verwendung von Farbmanagement-Programmen zur Lösung einiger dieser Probleme zu sprechen. Ihr Ziel bei jedem Druckprojekt besteht darin, dass die auf dem Endprodukt erzeugten Farben mit den Farben der Vorlagen für die Produktion übereinstimmen. 

Bei diesem Vorgang spricht man von Farbzu­ordnung. Beim digitalen Dekordruck ist damit die Umwandlung einer RGB-Farbe in eine akzeptable gleichwertige CMYK-Farbe unter Berück­sichtigung der Produktionsvariablen gemeint. Farbmanagement-Programme können diesen Prozess enorm erleichtern, weil sie zur Erfassung bestimmter Variablen und zur Vornahme von Änderungen bei der Datenübertragung aus dem Computer an den Drucker gedacht sind. 

So berücksichtigt die kostenlose Farbmanagement-Software Power Driver 4 von Sawgrass für den Ricoh 3100DN beispielsweise Faktoren wie Substrate, Tinten, Transferpapiere und andere sublimationsdruckspezifische Variablen bei der Farbverarbeitung vom Computer zum Drucker. Auf Basis dieser Informationen nimmt sie kleine Änderungen vor, damit eine bestimmte Farbe den Erwartungen des An­wenders nach der Druckausgabe entspricht. 

Moderne Farbmanagement-Software ist für die Zuordnung und Umwandlung von Farben hervorragend geeignet. Doch aufgrund aller Faktoren, die sich – wie oben bereits erwähnt – auf Farben auswirken können, lässt sich u. U. keine genaue Übereinstimmung erzielen. Eine Farbmanagement-Software soll die Farbabstimmung und das Farbmanagement für den Anwender erleichtern. Sie ist kein Ersatz für die Fähigkeiten der Person, die den Drucker bedient und immer noch nach dem Trial-and-Error-Prinzip das Aussehen der auf dem gewünschten Substrat er­zeugten Farben im Vergleich zu den Originalfarben begutachten muss (Farbabmusterung).

Farbmanagement für den Sublimationsdruck

Die Lektüre dieses Artikels ist ein großer Schritt hin zu besserem Farbmanagement beim Sublimationsdruck. Dann sollten Sie folgende Schritte vorsehen:

Beherrschung Ihres Grafikprogramms: Der richtige Umgang mit Ihrer Version von Corel Draw, Illustrator oder Photoshop ist vermutlich der wichtigste Schritt zur Erhöhung der Farbqualität. Zur Erstellung von Grafiken für den Sublimationsdruck sollten Sie eines dieser drei Programme verwenden. Es gibt zahllose Bücher, Lernprogramme und Videos zur Einführung in Corel Draw und die Produkte der Adobe Creative Suite. Sawgrass Europe bietet eine ganze Bibliothek mit Webcasts, die Ihnen die Arbeit mit diesen Programmen erleichtern. 

Verwendung einer Farbmanagement- oder RIP-Software: Installieren und verwenden Sie eine Farbmanagement-Software, die (im Idealfall) auf die Eigenschaften Ihres speziellen Druckers abgestimmt ist. Markenhersteller von Tinten bieten kostenlose Software für die Farbabstimmung auf Basis der Eigenschaften ihrer Tinten an. RIP-Software kann kostspielig sein, ist jedoch äußerst zuverlässig für die Ausgabe von Aufträgen in hohen Auflagen. Ganz gleich, wofür Sie sich entscheiden, sollten Sie in der Lage sein, die Farbpalette des Programms in Ihr Grafikprogramm zu importieren. Dadurch können Sie problemlos die richtige Farbe auswählen – unabhängig davon, wie sie auf dem Bildschirm aussieht. 

Drucken Ihrer Farbpaletten auf bestimmte Substrate: Denken Sie daran, dass die Darstellung von Farben auf dem Bildschirm oft irreführend ist. Daher sind Sie auf die aus­gegebenen Farben angewiesen, um in Ihrem Grafikprogramm die richtigen Farben zu Ihrem Bild zuzuordnen. Dieser Vorgang wird als Abstimmung von Sonderfarben bzw. Volltonfarben bezeichnet. Sie können Zeit einsparen, indem Sie die gesamte Farbpalette Ihres Farbmanagement-Programms auf die einzelnen von Ihnen verwendeten Substrate drucken. 

Beim Sublimationsdruck auf Polyesterstoff und Metall können Sie Ihre Palette beispielsweise auf einen Rock und eine Metallplatte drucken. Sie sollten diese Druckbeispiele griffbereit als Referenz bei der Produktion und auch für Kunden aufbewahren, damit sie sehen können, wie die Farben nach der Druckausgabe aussehen. Achten Sie darauf, dass für jede Farbe in der Palette die zugehörigen Codes gedruckt werden, und nutzen Sie Software-Funktionen, die Ihnen das Speichern von benutzerdefinierten Farben erleichtern. 

Durchführung von Tests: Investieren Sie zu Testzwecken in Tinten, Substratmuster und Transferpapier. Verwenden Sie diese, um die verschiedenen erwähnten Faktoren auszuprobieren und ausfindig zu machen, welche Kombinationen zu den besten Farbergebnissen führen. Zeichnen Sie Ihre Testergebnisse auf und verwenden diese zur Festlegung von Standardverfahren für die Produktion. Dadurch können Sie langfristig gesehen viel Zeit und Geld einsparen und Ihre Effizienz enorm erhöhen.

Effizientes Farbmanagement sorgt für Farbbrillanz und -genauigkeit, sodass sich Ihre Arbeiten von denen Ihrer Wettbewerber abheben und Ihre Kunden immer wieder Folgeaufträge erteilen. Beim Sublimationsdruck, einer Technologie, die ungewöhnlich satte und ausdrucksstarke Farben erzeugt, ist der Effekt noch ausgeprägter. 

Unzureichendes Wissen über richtiges Farbmanagement beim Digitaldruck auf die von Ihrem Kunden gewünschten Substrate kann zur Unzufriedenheit des Kunden, zu höherem Materialverbrauch, unnötiger Kostenerstattung und Schädigung Ihres Rufs führen. Sie werden feststellen, dass sich jede Minute der Beschäftigung mit Farben lohnt, um Ihre Fähigkeiten und Kenntnisse zu erweitern.

Über den Autor: Jimmy Lamb ist Education Manager bei Sawgrass Technologies, Inc. Das Unternehmen bietet in 100 Ländern  vollintegrierte Sublimations- und Digitaldrucklösungen für das Veredeln und Bedrucken von Oberflächen aus Keramik, Metall, Stoff, Holz und Kunststoff an. 

 

 

 

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