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10. Lopec Messe und Konferenz: Von der Vision zum Produkt

Vom 13. bis 15. März 2018 findet die LOPEC, Internationale Fachmesse und Kongress für gedruckte Elektronik, zum zehnten Mal statt. Als führende Veranstaltung der Branche hat sie von Beginn an die gesamte Wertschöpfungskette abgedeckt – von der Materialentwicklung über den Anlagenbau bis zur Anwendung. Ein Gespräch mit Hans-Jürgen Lemp (Director Global Sales & Business Development New Platforms, Merck KGaA), Thomas Kolbusch (Vice President, Coatema Coating Machinery GmbH) und Dr. Wolfgang Clemens (Leiter Product Management, PolyIC GmbH & Co. KG) über ein Jahrzehnt gedruckte Elektronik und die Märkte von morgen.

Grafik Gedruckte Elektronik

Grafik: Lopec

Herr Kolbusch und Herr Clemens, Sie haben Ihre Unternehmen schon auf der ersten LOPEC im Jahr 2009 präsentiert. Erinnern Sie sich daran noch?

Thomas Kolbusch: „Ja, sehr gut sogar. Die erste LOPEC fand noch in Frankfurt statt, sie war wesentlich kleiner, als sie es jetzt in München ist.“

Wolfgang Clemens: „Und noch viel technischer. Am Anfang standen Wissenschaft und Technologieentwicklung im Vordergrund, jetzt zeigen wir immer mehr Produkte, die man kaufen kann.“

Der Fortschritt in der gedruckten Elektronik basiert auch auf neuen Materialien. Was hat sich hier im vergangenen Jahrzehnt getan?

Hans-Jürgen Lemp: „In der organischen Elektronik, mit der wir uns beschäftigen, braucht man nicht nur Materialexpertise, sondern auch ein tiefes Verständnis von der Interaktion der einzelnen gedruckten Schichten sowie von deren optimaler Abstimmung aufeinander. Eine hohe Mobilität der Elektronen ist von Bedeutung, sonst fließt kein Strom. Es ist uns gelungen, diese Mobilität in den vergangenen Jahren deutlich zu steigern. Das ist wichtig, denn je mobiler die Elektronen sind, desto mehr Anwendungen sind möglich.“

Kolbusch: „Ein gutes Beispiel ist die organische Photovoltaik. Die Lösemittel der Druckmaterialien waren anfangs problematisch und man musste unter Stickstoffatmosphäre arbeiten. Jetzt gibt es stabile Systeme mit weniger bedenklichen Lösemitteln, die sich für die Großproduktion eignen.“

Clemens: „Wir sträuben uns nicht gegen organische Leiter, aber unser Basismaterial ist Silber. Auf Polyesterfolie drucken wir Leiterbahnen mittlerweile so fein, dass man sie mit bloßem Auge nicht sieht. Solche transparenten, leitfähigen Folien eignen sich für Displays mit Touch-Funktion. Das ist und bleibt ein großer Markt.“

Kolbusch: „Interessant sind auch hybride Systeme, die gedruckte und konventionelle Elektronik kombinieren. Damit verbunden ist die Integration von Siliciumbauteilen in den Druckprozess, also zum Beispiel das Platzieren von Chips, während das Band durchläuft.“

Die gedruckte Elektronik hat sich rasant entwickelt. Inwiefern hat sich die LOPEC im Laufe der Jahre verändert?

Kolbusch: „Ich erinnere mich noch an Messen, auf denen wir der einzige Maschinenbauer waren. Bei den Druckanlagen hat sich viel getan und das ist entscheidend für den Markterfolg. Wer eine Idee umsetzen möchte, findet dafür die passende Anlage.“

Clemens: „Wir merken, dass immer mehr Branchen neugierig werden. Gerade große Unternehmen, etwa aus der Automobilbranche oder der Consumer Industry, schicken ihre Technologiescouts zur LOPEC. Die schauen dann, welche Technologien sie einsetzen können, und zwar direkt in der Produktentwicklung, nicht in der Forschung.“

Lemp: „Für uns war die LOPEC schon immer eine ideale Plattform. Hier werden vermehrt die neuesten Prototypen gezeigt. Das zieht viele Besucher an, die auf der Suche nach smarten Lösungen sind. Auf der LOPEC können wir solche Innovationen vorstellen und deren Anwendungsmöglichkeiten diskutieren.“

Wo sehen Sie aktuell das größte Potenzial für die gedruckte Elektronik?

Clemens: „In der Automobilindustrie tut sich extrem viel. Noch gibt es im Fahrzeuginnenraum viele Tasten und Drehknöpfe, aber die werden verschwinden. Die ältere Generation drückt vielleicht gerne einen Knopf, aber unsere Kinder bevorzugen schon Touch-Displays. Da befinden wir uns allgemein im Umbruch, auch bei Haushaltsgeräten und in der Unterhaltungselektronik.“

Kolbusch: „Bei Sensoren für die Medizin, Sportkleidung und andere Wearables zeichnet sich ebenfalls ein Durchbruch ab, da wir Lösungen haben, die man mitwaschen kann.“

Lemp: „Die Anpassungsfähigkeit der gedruckten Elektronik macht völlig neue Anwendungen möglich. Nehmen wir das Internet der Dinge: Wie kommunizieren Gegenstände und Geräte miteinander? Welche Materialeigenschaften benötige ich dafür? Dinge, die es heute schon gibt, werden smarter, interaktiver und kommunikativer. Die gedruckte Elektronik hilft, Visionen zu verwirklichen.“

Welche Rolle spielt die LOPEC bei der Umsetzung solcher Zukunftstrends?

Kolbusch: „Für uns ist es wichtig, mit neuen Branchen ins Gespräch zu kommen und die Kontakte zu unseren Kunden zu pflegen. Auf der LOPEC sieht man sich und bespricht neue Projekte. Unsere Anlagen stehen auch in Forschungsinstituten – die treffen wir ebenfalls auf der LOPEC, weil sie an der Scientific Conference mitwirken.“ 

Clemens: „Die LOPEC ist für uns die Messe, auf der wir einem internationalen Publikum zeigen, was die Sensorik alles schon leistet. Wir sind offen für alle Branchen und denken, dass wir im richtigen Zeitfenster liegen.“

Lemp: „Wir verstehen uns nicht nur als Materialentwickler. Wir bieten Lösungskonzepte an, die zu völlig neuen Möglichkeiten befähigen. Die LOPEC ist für uns eine Bühne der Inspiration, auf der sich Erfinder und Anwender treffen.“

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